AKTUELLES

Stellungnahme islamistische Terrorakte im Ramadan - 06.07.16

 

Der Monat Ramadan ist der heiligste Monat im islamischen Kalender. Es ist der Monat der inneren Einkehr, der Spiritualität, des Friedens. Es ist der Monat, in dem nicht nur unbedachte und verletzende Worte vermieden werden sollen, sondern in dem über Jahrhunderte die Waffen geschwiegen haben. Die letzten zehn Tage dieses Monats gelten als besonders heilig: in diesen Nächten öffnen sich die Himmel, die Engel sind den Menschen näher als sonst, und in einer der Nächte zwischen diesen zehn Tagen überbrachte der Engel Gabriel Muhammad zum ersten Mal das Wort Gottes, welches wir heute als Koran kennen. So bietet gerade der Monat Ramadan den Muslimen an, sich Gott zu nähern, die Verbindung zu ihm (wieder) zu entdecken und aufrechtzuerhalten.

 

In diesem Jahr haben Menschen, die sich als Muslime bezeichnen und sich auf das Wort Gottes berufen, diesen Monat und seine Bedeutung besudelt, indem sie töteten und mordeten. Indem sie gerade in den letzten zehn Tagen des heiligen Monats deutlich machten, dass sie blind, voller Hass und Fanatismus auf alle blicken, die anders sind als sie, pervertierten sie das Wort Gottes, das Gabriel Muhammad überbrachte und das – so schwer es manch einem von uns heute fallen mag, sich das vorzustellen – eine Botschaft des Friedens enthält.

 

Auch wenn Attentaten meist lokale und regionale Ursachen zugrunde liegen, so ist doch offensichtlich, dass sowohl Ausführende als auch Hintermänner die Religion benutzen, um ihre Taten zu legitimieren, um anderen das Recht auf Leben und Freiheit abzusprechen. Sie beten den Allmächtigen an und geben sich gleichzeitig Allmachtfantasien hin, indem sie Menschen das Leben nehmen und andere Menschen in Trauer und Unglück stürzen. Indem sie Tabu um Tabu brechen, nicht davor zurückschrecken, sich neben der Prophetenmoschee in die Luft zu sprengen und damit Millionen von Muslimen zu zeigen, dass sie auf sie als „Ungläubige“ herabblicken, die den Tod verdienen, nehmen sie gleichzeitig eine ganze Religion und ihre Anhänger als Geiseln. Es fehlt nur noch, dass sie die Kaaba in Mekka, die heiligste Stätte des Islams, in die Luft sprengen, weil diese in vorislamischer Zeit von Polytheisten verehrt wurde, bevor sie als wichtiger sakraler Bestandteil in den islamischen Glauben integriert wurde. Durch ihre grausamen Taten entlarven sie sich einmal mehr als Fratze der Gewalt und es bleibt zu hoffen, dass wir Zeugen des endgültigen Aufbäumens einer Hydra werden, deren fanatischer Hass sie letztlich selbst vernichten wird.

 

Die Anschläge in den letzten zehn Tagen des Ramadan, bei denen in Mukalla (Jemen), in Istanbul, in Bagdad, in Dhaka (Bangladesch) und nun in Saudi-Arabien insgesamt hunderte Menschen getötet wurden, verhöhnen nicht nur die Spiritualität und Bedeutung des heiligen Monats, sondern auch das Recht auf Leben eines jeden Menschen. Sie verhöhnen die Schöpfung Gottes und damit den Schöpfer selbst.

 

Voller Trauer und Anteilnahme sind unsere Gebete und Gedanken bei den Toten und Verletzten und ihren Angehörigen.

 

Nushin Atmaca, 1. Vorsitzende LIB e.V.


Grußwort zum Ramadanende 2016

Liebe Geschwister im Islam,
as-salamu alaikum wa rahmatullahi wa-barakatuhu

Wir wünschen Euch und Euren Familien ein gesegnetes und friedvolles ʿId-ul-Fitr. 

Es ist geschafft, die Anstrengung des Fastens ist vorbei und wir könnten zur gewohnten Tagesordnung übergehen, aber die Gedanken an die Situation in der Welt lässt uns inne halten. Voll Trauer gilt unser Mitgefühl denen, die Verwandte oder Freundinnen und Freunde bei den Anschlägen, gerade auch während des Ramadan, verloren haben und nun nicht voller Freude gemeinsam feiern können, weil jemand aus ihrer Mitte fehlt. Natürlich ist es den meisten bewusst, dass der Tag, an dem das Leben endet, für jeden kommt, aber das rechtfertigt keineswegs die verbrecherische Tat derer, die es den anderen, gleich welcher Religion oder Weltanschauung, nehmen. 

So schließen wir in das Festgebet auch die Bitte mit ein, dass Allah (t) sich all dieser Seelen erbarmen möge.
Uns selbst sollten all diese Gräueltaten nicht davon abhalten, immer wieder einen guten und friedvollen Weg des Miteinanders anzustreben und wir hoffen, dass das Fasten dazu beigetragen hat, unseren Kopf klarer und unsere Seelen liebevoller zu machen.

Wenn wir die Zuneigung Allahs anstreben, ist das Einsetzen für Frieden und Gerechtigkeit ein guter Weg dorthin, heißt es doch im Koran:
„Diejenigen, die glauben und gute Werke tun - ihnen wird der Allerbarmer Liebe zukommen lassen. [19:96]“

In diesem Sinne wünschen wir ein gutes und aktives ʿId-ul-Fitr.

Eure Geschwister vom LIB e.V.


Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin, die Journalistin Daniela Schadt, besuchten am 13. Juni das öffentliche Iftar in Berlin-Moabit.

Dieses Fastenbrechen wurde vom Zentrum für interreligiösen Dialog Berlin-Moabit e.V. mitorganisiert, in dem der LIB Mitglied ist.

Wir freuen uns sehr darüber, dass unsere 1. Vorsitzende Nushin Atmaca die Gelegenheit hatte, dem Bundespräsidenten unsere Arbeit und die der Berliner Gemeinde vorzustellen.

 

Bilder Copyright © Bundesregierung/Jesco Denze


Pressemitteilung Attentat im „Pulse“, Orlando, Florida

 

Der Liberal-Islamische Bund e.V. (LIB) ist entsetzt und schockiert über das grausame Attentat im „Pulse“, einem Gay-Club in Orlando, Florida, mit über 50 Toten. Unser Mitgefühl gilt den Verletzten und ihren Angehörigen sowie den Hinterbliebenen der Getöteten.
Die offensichtlich ideologische Verbindung des Täters zum sogenannten „Islamischen Staat“ lässt vermuten, dass er seinen Hass auf Menschen anderer Sexualität religiös legitimierte. Die dem Hass folgende Tat lässt uns sprachlos zurück. Sie zeigt und erinnert daran, welcher Verachtung und welchen Gefahren nicht-heterosexuelle Menschen immer noch ausgesetzt sind, nicht nur in den USA und Europa, sondern überall.

Sofort nach der Bekanntgabe des Namens des Attentäters wurde das Verbrechen politisch für anti-muslimische Stimmungsmache ausgeschlachtet. Dies stimmt uns zusätzlich traurig. Als Muslime setzen wir uns bereits seit vielen Jahren gemeinsam mit zahlreichen deutschen und internationalen Partnern für einen inklusiven Islam und gegen die Diskriminierung von homosexuellen Menschen in muslimischen Kontexten ein. 

Wir begrüßen die Verlautbarungen muslimischer Organisationen und Einzelpersonen, die sich in dieser tragischen Stunde von dieser schrecklichen Tat distanziert, sich mit den Opfern solidarisiert und gegen den Hass auf homosexuelle Menschen ausgesprochen haben.

Der Liberal-Islamische Bund e.V. wird sein Engagement gegen Homophobie weiter fortsetzen in der Hoffnung, dass mehr und mehr Menschen erkennen, dass die Diskriminierung Anderer aufgrund ihrer Sexualität sowohl religiös als auch menschlich durch nichts zu rechtfertigen ist.

 

DER VORSTAND, 12.06.16


Grußwort zum Ramadan 2016 

Es gibt viel, zu was zu Beginn des Fastenmonats gesagt und geschrieben werden könnte:
Zur Situation der Muslim_innen weltweit
Zur Situation der Flüchtlinge weltweit
Zur Politik, in diesem, unserem Lande.
Aber darüber ist schon vielerorts geredet und geschrieben worden.

Trotzdem gibt der Zustand der muslimischen Umma heute, wie bereits im letzten Jahr, Grund zur Sorge.
In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Darüber sprechen wir oft und viel, wenn es um den nichtmuslimischen Teil unserer Gesellschaft geht. Also fragen wir konkreter: In welcher muslimischen Gesellschaft wollen wir als Musliminnen und Muslime leben?
In einer Gemeinschaft, in der alle ‚gleichgeschaltet’ denken?
In einer Gemeinschaft, in der es nur eine Denkweise, eine Interpretation gibt?

Wir glauben, dass die Grundlage unseres Denkens und Fühlens als Menschen muslimischen Glaubens die Shahada ist und dass der Ramadan uns alle eint.
Wir fasten – jede/r auf ihre/seine Weise, wie sie/er es vermag. Diese Individualität innerhalb des Kollektivs war, ist und bleibt ein faszinierendes Element des Islam.

In diesem Sinne wünschen wir allen Mitglieder und allen Musliminnen und Muslimen weltweit einen gesegneten Ramadan.

Möge Allah unser Fasten annehmen.

Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur'an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten) - Gott will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen - damit ihr die Frist vollendet und Gott dankt, dass Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein.[2:185]


Germany’s Liberal-Islamischer Bund e.V. (Association of Liberal Muslims, LIB) is appalled by the negative and hateful reactions that were evoked this week by aninclusive Friday prayer in Bern (Switzerland) which was organized by the Inclusive Mosque Initiative UK on the 27th of May. These reactions unfortunately mostly came from people with a Muslim background.
Inclusive prayers have been a part of the lived realities of the global Muslim Ummah for a couple of years already and they are based on Islamic sources and traditions. The LIB itself has also been organizing inclusive prayers like this in the past few years. 

We declare our full solidarity with the Inclusive Mosque Initiative UK and its supporters in Switzerland and we sincerely hope that in the near future more Muslims from the whole world will embrace inclusive interpretations of Islam.

Der Liberal-Islamische Bund e.V. (LIB) ist entsetzt über die negativen und hasserfüllten Reaktionen, die es diese Woche online und anderswo auf das am 27.05. in Bern (Schweiz) organisierte inklusive Freitagsgebet der Inclusive Mosque Initiative UK gegeben hat. Diese Reaktionen stammten hauptsächlich leider aus einem muslimischen Umfeld.
Inklusive Gemeinschaftsgebete sind seit einigen Jahren eine Realität in der muslimischen Ummah und sie berufen sich genau so auf islamische Quellen und Traditionen. Der LIB führt solche Gebete ebenfalls seit einigen Jahren durch.

Wir sprechen der Inclusive Mosque Initiative UK und ihren UnterstützerInnen in der Schweiz unsere uneingeschränkte Solidarität aus und wir wünschen uns für die Zukunft, dass sich mehr MuslimInnen in der ganzen Welt für ein inklusives Islamverständnis einsetzen mögen.

Der Vorstand, 01.06.2016


Ramadan 2016

Unsere Gemeinden bereiten sich auf die nahende Fastenzeit vor - für groß und klein stand der Ramadan im Mittelpunkt bei den Gemeindetreffen am letzten Wochenende.

 

Anbei einige Bilder aus unserer Kölner Gemeinde, wo parallel zu dem Gemeindetreffen immer ein didaktisch ausgereiftes Kinderprogramm stattfindet.
Islamische Themen und Koranverse werden in altersgerecht vorgestellt und besprochen - natürlich in deutscher Sprache


PRESSEMITTEILUNG Grundsatzprogramm der AfD

Mit der Verabschiedung ihres neuen Grundsatzprogramms hat die Alternative für Deutschland (AfD) ihre anti-islamische Haltung nochmals manifestiert und arbeitet darüber hinaus darauf hin, gängige Vorurteile über den Islam wieder fest in (religions-)politischen Debatten in diesem Land zu verankern. Dazu zählen insbesondere die Behauptung, ein aufklärerisches Denken im Islam sei weder realistisch noch wünschenswert sowie die Deutung von Minaretten als Symbole eines politischen und gesellschaftlichen Herrschaftsanspruchs.

Beides ist falsch: Die islamische Geistesgeschichte kennt seit ihrer Entstehung rationale und aufklärerische Strömungen, die durch die Bewahrung und Übersetzung antiker griechischer Philosophen zur Entstehung der europäischen Aufklärung beigetragen haben. Heute gibt es eine Vielzahl progressiver und liberaler Strömungen innerhalb des muslimischen Spektrums, darunter den Liberal-Islamischen Bund e.V. selbst, die sich in dieser Tradition sehen. Und auch diejenigen Muslime, die konservativeren Denkschulen anhängen, stellen keinesfalls eine Gefahr für die Grundordnung und Verfasstheit dieses Landes dar.

Zudem ist der Islam, entgegen der Auffassung, die von Teilen der AfD vertreten wird, keine politische Ideologie. Bei der Debatte um den Bau von Minaretten geht es von muslimischer Seite aus demnach auch nicht um Herrschaftsansprüche, sondern um die Forderung nach einer Gleichbehandlung aller in Deutschland vertretenen, anerkannten Religionen. Diese sollte auch den Bau von Gotteshäusern umfassen: keine Religionsgemeinschaft sollte hier benachteiligt werden.

Der Liberal-Islamische Bund e.V. appelliert an alle politischen Akteure, solchen Forderungen standzuhalten, anstatt sie aufzugreifen und so die religiöse Freiheit einer Minderheit zu beschneiden. Religionsfreiheit umfasst unserer Meinung nach sowohl das Tragen des Kopftuches (nicht des Gesichtsschleiers) – auch in öffentlichen Gebäuden – als auch den Bau von Moscheen und Minaretten sowie den Gebetsruf. Sie umfasst das Beten und die Predigt auch in einer weiteren Sprache als Deutsch. Wir erwarten von den anderen im Bundes- und in den Landesparlamenten vertretenen Parteien, dass sie nicht dem Versuch erliegen, eine Minderheit als Feind der bestehenden Ordnung zu definieren, sondern dass sie sich für ein friedliches und respektvolles Miteinander einsetzen, für dessen Gelingen Integrationsbemühungen von allen Seiten erforderlich sind.

DER VORSTAND, 02.05.16


Pressemitteilung - Vorstandswahlen

 

Der Liberal-Islamische Bund e.V. hat mit seiner ordentlichen Mitgliederversammlung am 24.4.2016 einen neuen Vorstand für die Dauer von zwei Jahren gewählt. Außerdem ist der Vorstand auf die Anzahl von neun Personen erweitert worden.

 

Fortan wird die Islamwissenschaftlerin Nushin Atmaca den ersten Vorsitz des Liberal-Islamischen Bundes e.V. innehaben.

Leyla Jagiella, Religionswissenschaftlerin mit Schwerpunkt Islam, wird den zweiten Vorsitz übernehmen.

Udo Simon wird das Amt des Schatzmeisters übernehmen.

 

Dr. Andreas Wojcik und Michael R. Patock wurden als neue Mitglieder in den Vorstand des Liberal-Islamischen Bundes e.V. aufgenommen.

Dem Vorstand bleiben weiterhin die Islamische Religionspädagogin und Imamin Rabeya Müller aus Köln, sowie die Gründungsvorsitzende des LIB e.V. und Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor erhalten. Beide Vorsitzende sowie die ehemalige Schatzmeisterin, Siham Zaaj, haben auf eigenen Wunsch nicht mehr für dieses Amt kandidiert.

Unsere langjährigen Vorstandsmitglieder Annika Mehmeti und Harald Dieter Abdul Hadi Schmidt El-Khaldi sind in den Vorstand wiedergewählt worden.

 

Der Islamwissenschaftler Christian Kübler wird das Amt des Pressesprechers des Liberal-Islamischen Bundes e.V. innehaben.

 

Wir danken dem bisherigen Vorstand für seine wichtige und intensive Arbeit und wünschen dem neuen Vorstand viel Erfolg und Gottes Segen für seine weitere Arbeit.

 

 

Der Vorstand, 25.04.16

 

(v.l.n.r.: Udo Simon, Rabeya Müller, Nushin Atmaca, Michael R. Patock, Leyla Jagiella, Harald Dieter Schmidt-El-Khaldi, Dr. Andreas Wojcik, Annika Mehmeti)

 

Pressemitteilung -  Anschlag auf Sikh-Tempel in Essen

 

Der Liberal-Islamische Bund e.V. (LIB) ist erschüttert über den Terroranschlag, der vermutlich von jungen Muslimen aus terroristischen Motiven heraus auf eine Sikh-Gemeinde in Essen verübt wurde.

Wir sprechen den Verletzten, ihren Familien und Angehörigen sowie der gesamten Gemeinde unser Mitgefühl aus. Ausdrücklich verurteilen wir solche Taten und den Fanatismus, der ihnen innewohnt.

Überall in der islamisch geprägten Welt, aber gerade in Südasien, blicken Muslime auf eine lange Geschichte des Zusammenlebens und Austauschs mit anderen Religionsgemeinschaften, darunter auch die Glaubensgemeinschaft der Sikhs, zurück. Wir betrachten es als unsere Aufgabe, das Wissen darüber zu erhalten und weiterzugeben und die Tradition des friedlichen und respektvollen Miteinanders sowie des interreligiösen Austauschs fortzusetzen – auch und gerade hier in Deutschland.

Dieser Anschlag zeigt deutlich, dass auch die deutschen Muslime vor der Aufgabe stehen, ihre Jugendlichen vor dem Abgleiten in den Radikalismus zu bewahren. Der LIB engagiert sich seit langem in diesem Bereich und wird dies auch in Zukunft fortsetzen. Gleichzeitig stehen wir vor der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, Jugendlichen abseits von Extremismus eine Perspektive zu geben. 


DER VORSTAND 22.04.16

Aktuelle Meldung

 

Neues Projekt des LIB e.V.: „Extreme out – Empowerment statt Antisemitismus“

 

Antisemitismus im muslimischen Umfeld - bei Erwachsenen wie bei Jugendlichen, individuell wie institutionalisiert - ist kein neues Phänomen. Allerdings rückt er erst in letzter Zeit vermehrt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Dabei entspringt der reimportierte, „muslimische“ Antisemitismus – stärker noch als im deutschen Umfeld – einer unreflektierten Vermischung von Israelkritik und Solidarisierung mit den muslimischen Palästinensern. Eine nicht unerhebliche Rolle bei der Generierung und Stärkung des Antisemitismus können Diskurse in der eigenen Community (z.B. im Elternhaus, Freundeskreis, islamischen Institutionen) und beispielsweise das von türkischen oder arabischen Medien entworfene Bild vom Palästinakonflikt spielen. Um muslimische Jugendliche gezielt stärken zu können sowie ihre Potentiale mit ihnen gemeinsam zu entdecken und zu gestalten, greift das dreijährige Projekt auf den Lebensalltag der Jugendlichen zurück. In unserem innovativen Ansatz werden wir den allgegenwärtigen Antisemitismus thematisieren und mit den Jugendlichen bearbeiten. Dabei wird deutlich werden, dass Antisemitismus nicht nur kein originärer Teil des Islams ist, sondern dass die Frustration, die Erlebnisse eigener Defizite, die Unzufriedenheit mit der eigenen Situation, Ursachen für jedwede Form von Extremismus sind. Stark ist nicht der Antisemit, sondern stark ist derjenige, der Extremismus überwindet und zu seinen eigenen Stärken und Schwächen steht, Teil der Gesellschaft wird und mit seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten mit formt. Raus aus dem Extrem, hin zu seinen eigenen Potentialen – das wird schon in unserem Projekttitel deutlich! 

Zielgruppe sind muslimische Jugendliche zwischen 12 und 27 Jahren. Primäres Ziel des Projektes ist, Jugendliche mit muslimischem Hintergrund zu stärken und dabei zu unterstützen, Teil der deutschen Gesellschaft zu werden. 
Das Projekt „Extreme out – Empowerment statt Antisemitismus“ startet im Dezember 2015 in Dinslaken und wird über einen Zeitraum von 3 Jahren durchgeführt. Das Team, das bereits das preisgekrönte Projekt „Muslim 3.0“, sowie das Anti-Salafismus-Projekt „Extrem out – Gemeinsam gegen Salafismus“, durchgeführt hat, ist auch hier Initiator: Lamya Kaddor wird für den Liberal-Islamischen Bund e.V. die Projektleitung übernehmen. 

Kooperationspartner ist das IBIS Institut. 


Ansprechpartner: Annika Mehmeti (info@lib-ev.de)

 

 

 

 

 

 


 

LIB-Projekt:

Extrem out - gemeinsam gegen Salafismus

5. September 2014

Am 02.09.2014 wurde mit einer Auftaktveranstaltung der offizielle Startschuss für das im Herbst 2014 in Dinslaken stattfindende Projekt „extrem out“ gegeben. Die islamische Religionspädagogin, Lamya Kaddor, und der Sozialarbeiter, Ali Kaya, stellten das Projekt „extrem out“ der interessierten Öffentlichkeit vor.

Der Stellvertretende Bürgermeister der Stadt Dinslaken, Eyyüp Yildiz, hob die Notwendigkeit eines nachhaltigen Projektes gegen Extremismus, speziell gegen die salafistische Szene in Dinslaken, hervor: „Wir unterstützen und freuen uns, dass man sich hier der salafistischen Herausforderung stellen will. Das Problem ist, dass sich einige wenige junge Menschen von der deutschen Gesellschaft entfremden. Sie suchen nach Identifikation auch außerhalb der Familie und dem Freundeskreis, die aber scheitert. Mithilfe des Projektes „extrem-out“ kann einer möglichen Entfremdung und Abdriften ins Extreme entgegen gegangen werden.“

Das Ziel des Projektes, so Lamya Kaddor, ist, den Salafismus als politische Ideologie kritischer zu betrachten und die Jugendlichen auf eine heterogene, moderne Gesellschaft vorzubereiten. Dabei liegt die besondere Herausforderung darin, sich als männliche Jugendliche mit zwei muslimischen Theologinnen im Gespräch über wichtige religiöse und gesellschaftsrelevante Themen auseinanderzusetzen.

Extrem out

 

Der Vorstand